foodwatch-Report: Energydrink-Marketing zielt gezielt auf Kinder – Forderung nach Altersgrenze
Die Verbraucherorganisation foodwatch wirft Energydrink-Herstellern wie Red Bull, Monster und Rockstar vor, Kinder und Jugendliche gezielt anzusprechen. In einem aktuellen Report dokumentiert foodwatch systematisches Marketing an Minderjährige über Social Media, Gaming, Sportsponsoring und Merchandise. Die Organisation fordert eine gesetzliche Altersgrenze von 18 Jahren für den Verkauf koffeinhaltiger Energydrinks – eine Maßnahme, die nach eigenen Angaben bereits in mehreren EU-Staaten gilt.
Laut foodwatch setzen die Hersteller unter anderem auf TikTok-Influencer mit großer Reichweite bei jungen Zielgruppen, darunter der Musiker und Content Creator Lewin Ray Wester („Lewinray“), der in einem Video Energydrinks im Schulkontext zeigt. Auch Gaming-Formate und E-Sport-Events werden von den Marken gesponsert. Zusätzlich verankern sich Energydrink-Hersteller durch Sportsponsoring im Jugend- und Profisport – prominent etwa durch Red Bull bei RB Leipzig und FC Red Bull Salzburg. Über Kinderclubs und Merchandising-Angebote würden Marken zudem gezielt bei Kindern platziert.
Gesundheitsexpert:innen warnen seit Jahren vor den Risiken der koffeinhaltigen Getränke. Eine neue Studie des Uniklinikums München (EDUCATE) zeigt erstmals, dass schon geringe Mengen den Blutdruck und die Herzfrequenz bei Jugendlichen erhöhen und den Schlaf verkürzen können. Prof. Dr. Nikolaus Haas von der Kinderkardiologie spricht sich angesichts dieser Ergebnisse klar für eine Altersbeschränkung aus.
Bereits Neunjährige konsumieren Energydrinks
Laut einer begleitenden Erhebung des Uniklinikums München an Schulen („Hand aufs Herz“) konsumieren Kinder in Deutschland bereits ab einem Alter von neun Jahren regelmäßig Energydrinks. Mehr als ein Viertel der befragten Minderjährigen greift regelmäßig zu, zehn Prozent der Jungen auch beim Sport. Während andere Länder wie Litauen, Lettland und Polen den Verkauf an Minderjährige untersagt haben, gebe es in Deutschland bislang keine gesetzliche Regelung. SPD und Union haben sich laut Medienberichten zumindest darauf verständigt, eine Altersgrenze zu prüfen.
foodwatch fordert, das Thema müsse im neuen Koalitionsvertrag verbindlich verankert werden. Die Industrie verhindere bislang durch gezieltes Lobbying jede Regulierung – zulasten der Kindergesundheit.
Die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg) hat die Forderung der Verbraucherorganisation nach einer gesetzlichen Altersgrenze für den Verkauf von Energydrinks zurückgewiesen. Laut wafg besteht in Deutschland bereits ein strenger gesetzlicher Rahmen, der über die EU-Vorgaben hinausgeht. Dieser umfasst unter anderem verbindliche Höchstmengen für typische Inhaltsstoffe von Energydrinks und beruht auf umfassenden wissenschaftlichen Risikobewertungen: Artikel lesen.
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